In vino veritas

Die Region Piceno hält eine hohe Qualität an Rebsorten und Weingütern vor. Der Rosso Piceno und Rosso Piceno Superiore, der qualitativ „Bessere“, wird vorwiegend aus der Montepulciano- und Sangiovesetraube gewonnen.

Diese beiden Traubensorten können durch einen kleinen Anteil einer eventuellen dritten Sorte wie z.B. Barbera oder Merlot ergänzt werden. Der weiße Falerio entsteht vorwiegend aus zwei Trauben, der Pecorino- und der Passerinatraube. Auch beim Weißwein kann eine dritte Traubensorte hinzugefügt werden. Gemeinsam ist allen die Bodenbeschaffenheit der Weinhänge, der lehmhaltige Boden, der rund um die Hügel von Ascoli zu finden ist.

Eine kleine Anmerkung zu den Namen Pecorino und Passerinatraube. Die Pecorinotraube verdankt ihren Namen ihrer Farbe, die Wollweiß wie die Schafe (pecore) ist, während die Passerinatraube nach den Spatzen benannt ist (passero), da sie eine Delikatesse für diese Vögel und außerdem sehr klein ist.

Von den Qualitätsabstufungen her unterscheiden wir den Tafelwein und den DOC-Wein. Dazu kommt eine dritte Bezeichnung, igt. Diese Indikation gibt an, dass es sich um einen in diesem Gebiet produzierten Wein handelt. Nicht zwangsläufig ist ein Wein dieser Qualität „minderwertiger“ als ein DOC-Wein. DOC bedeutet lediglich, dass der Wein von der „Camera di Commercio“ geprüft wurde.

Es gibt einen Wein, der die Marchigianer, so sagt man, von der Geburt bis zum Tod begleitet. Der Dessertwein „Vino Cotto“, der wegen seiner Schwere und seines Geschmacks, ein wenig an Sherry erinnert, war bis vor ein paar Jahren nicht zu kaufen. Erst jetzt kann man ihn in einigen Geschäften finden. Der „Vino Cotto“, braucht mindestens sechs Jahre, bevor er die nötige Reife erlangt. Seine Herstellung erfolgt durch Kochen des Mostes, bei gleichmäßiger Temperatur und für etwa acht Stunden. Danach ist der Wasseranteil verdunstet, was bleibt ist die Basis für den Wein. Dieser Most wird dann gelagert und jedes Jahr wird auf diesen „Basisbestand“ neuer gekochter Most aufgegossen. So nimmt er mit jedem Jahr an Reife und Geschmack zu. Auch heute noch ist es eine Ehre, einen „Vino Cotto“ gereicht zu bekommen. Bei einer ganzen Flasche als Geschenk muss der Beschenkte schon sehr großen Eindruck hinterlassen haben.

Viele Familien, die ein Stück Land mit Weinstöcken haben, stellen ihren hauseigenen „Vino Cotto“ her. Wenn dem Wein ein Stückchen Enzianwurzel zugegeben wird, erzielt man damit den besten Digestif. Auch wir werden unseren kleine Weinberg in den kommenden Jahren veredeln. Aktuell befinden sich auf Rund 400 qm sehr alte Reben der Passerinatraube. Ziel wird es sein, in den kommenden Jahren für Freunde und Gäste einen eigenen „Vino Cotto“ anzubieten.